Bildstöcke in Neudenau

 

 

Die Bildstöcke in Neudenau im Landkreis Heilbronn im nördlichen Baden-Württemberg stammen aus dem 16. bis 19. Jahrhundert und befinden sich im und um den Ort. Mehrere der Bildstöcke wurden 1883 durch den Neudenauer Bildhauer Debolt überarbeitet. Sie werden auch heute noch liebevoll gepflegt und mit Blumen geschmückt

Verwittertes Flachrelief einer Kreuzigungsgruppe auf viereckigem Steinpfosten

Gewann Obere Au (bei der Fa. Böckling) ++ undatiert++ Ende 16. Jahrhundert

Höhe 1,45 m

Überlieferung

Vom Bildstock in der Au

Ein Mann kaufte damals einen Acker in der "Au". Als er seine Frau von dem Kauf benachrichtigte, schalt sie ihn, weil er zuviel Geld dafür ausgegeben habe. Dadurch geriet der Mann so sehr in Wut, daß er seine Frau erstach. Zur Sühne errichtete er auf dem Acker einen Bildstock.

Andere erzählen von dem kleinen Bildstock: Dort soll früher ein Mann einen anderen erschlagen haben.

 Flachrelief einer Kreuzigungsgruppe in gotisch anmutendem Schild auf sich nach oben verjüngendem Schaft, der in einen flachen massiven Steinsockel eingelassen ist. Er trägt zahlreiche flache, runde Vertiefungen (Kugelspuren?), die Kanten sind abgeschrägt.  Inschrift am Schildrand: DURCH DEIN HEILIGES CREUTZ ERBARM DICH VNSER O HERR 1631 LUDWIG H[...].

Dies ist wohl der älteste Bildstock in Neudenau

Gewann Ziegelhaus (Bergstraße) ++ 1631++  Höhe 2,45 m

Überlieferung

Beim Durchzug der Schweden im 30 jährigen Krieg soll hier einer den anderen im Streit erstochen haben. Zur Sühne setzte man den Bildstock

Josefine Weihrauch

Foto Peter Schmelzle

Fotos I. Simonides 16.6.2009

Viereckiger Steinpfosten mit gebrochenen Kanten und auskragendem Bildhäuschen, darin ehemals farbig gefasste Kreuzigungsgruppe als Flachrelief. Stifterinitialen: T M.

Nördlicher Ortsausgang++(Straße zum Judenfriedhof)++ 1670++ Höhe 2,60 m

Überlieferung

Nach dem Volksmund soll der Bildstock die Bannmeile gegen die bösen Geister bilden, die über diese nicht in das Städtchen gelangen konnten

Tiefe Bildnische mit gotischem Eselsrücken bekrönt von barockem Kreuz, gehalten von einem rechteckigen Pfosten auf hochgezogenem Sockel. In der Bildnische befand sich ursprünglich eine steinerne Pieta, die im Josefine Weihrauch Heimat Museum in Neudenau aufbewahrt wird und durch eine Madonna mit Kind in Ton ersetzt wurde. Sockelinschrift: HANS RAHM UND MAX OCHS 1697.

Im Ortsbereich am Fahrweg (gegenüber der Apotheke)++ 1697++ Höhe  2,80m

Orginal Pieta  Josefine Weihrauch Museum Neudenau

Überlieferung

Einst gruben 2 Frauen (Schwestern) ihre Gärten vor den Stadttor um. Sie gerieten miteinander in Streit und im Zorn erschlug die eine Frau die andere mit der Hacke. Zur Strafe dafür wurde die Mörderin lebendig eingemauert. Seitdem bewacht ein riesiger schwarzer Hund mit glühenden Augen das Grab. Als aber in den 50er Jahren des vorigen Jahrhunderts das Grab gefunden und die Gebeine überführt worden war, zeigte sich der Hund nicht mehr.

Barockes Bildschild mit Flachrelief-Kreuzigungsgruppe auf bauchiger Rundsäule mit einfachem Kapitell. Die Hochreliefs weisen hohe handwerkliche Kunstfertigkeit auf. Initialen im Bildschild: I. V. W. 1710, Billigheimer Straße (Neudenau Richtung Reichertshausen Ortsende rechts am Wegesrand)++ 1710++ Höhe 2,80 m

Überlieferung

Die Initialen werden als "Johann Valentin Weik" gedeutet: Ein Neudenauer Bürger, der drei fahnenflüchtige Soldaten verraten und sich selber dann erhängt haben soll. Nachdem der Verräter am Hinrichtungsort der Soldaten umging, habe man ebenda den Bildstock errichtet.

Viereckiger, sich nach oben verjüngender Schaft, datiert 1740, mit neugotischem Aufsatz (Hochrelief mit Kreuzigungsgruppe) des Neudenauer Bildhauers Debolt von 1883.

Nur der viereckige Stock ist alt. Der Kopf wurde Ende des 19. Jahrhunderts ersetzt

Gewann unteres Büchel++ (beim Hohen Baum) ++1740++  Höhe 2,25 m

Überlieferung

Wie der Bildstock am "Hohen Baum" entstand

Vor vielen Jahren ritt ein Offizier von Billigheim nach Neudenau. Am "Büchel" scheute sein Pferd, warf ihn ab und schleifte ihn eine große Strecke weit, ohne daß dem Offizier ein Schaden geschah. Zum Dank für diese Rettung ließ er an der Stelle, wo das Pferd stehen blieb- am "Hohen Baum"-, einen Bildstock errichten

Überlieferung

1. Ein Aufhocker plagte einen Schmuggler

In alten Zeiten musste man an der württembergischen Grenze Zoll bezahlen. Um diesen zu umgehen, schmuggelten manche Leute nachts Waren über die Grenze. So holte ein Neudenauer von Zeit zu Zeit in Jagstfeld Salz. Von Untergrießheim ab ging er, statt der Landstraße nach, im Wald. Da hörte er öfters eine Stimme rufen: "Halt, halt" Er blieb stehen und antwortete, in der Meinung einen anderen Schmuggler hinter sich zu haben: "Eil dich doch, daß du nachkommst!" Plötzlich saß ein Mann auf seinem Rücken. Als der Schmuggler an der alten "Bachsteige" an dem Bildstock vorbei kam, sprang der Mann wieder von seinem Rücken herunter und verschwand spurlos. Ganz erschöpft kam der Schmuggler zu Hause an.

2.Strafe für drei Bildfrevler

Drei Kreßbacher mußten einmal nach Mosbach zu einer Verhandlung. Aus Mutwillen stießen sie den Bildstock "An der Bachsteige" um und schändeten ihn. Kurze Zeit darauf kamen alle drei auf eigenartige Weise ums Leben. Der eine erhängte sich, der andere sprang aus dem Fenster und der dritte fiel von der Scheune herunter.

Schlanker Schaft mit hochgezogenem Sockel, darauf dachförmig abgeschrägtes Bildhäuschen mit tiefer Nische, darin eine barocke hölzerne Pieta. Sockel mit Initialen 1760 R. P. Am Schaft ist ein jüngeres Blechschild mit einem Gebetstext befestigt.

Laut der Beschreibung von Herrn Heimberger war um 1979 noch ein Kreuz aus Eisenblech am Dach befestigt.

An der Bachsteige   1760  Höhe 2,30 m

Überlieferung

Aufhockender Schwarzer

Ein Neudenauer Bursche ging oft zu einem Mädchen nach Billigheim. Immer, wenn er durch den Tannenwald heimwärts ging, sprang ihm ein schwarzer Kerl auf den Rücken. Soviel er sich abmühte, er konnte ihn nicht abwerfen. Wenn er aber zum Bildstöckle an der Holzsteige kam, verließ ihn der Unheimliche. Immer aber kam der Bursche in Schweiß gebadet heim, als ob er einige Zentner hätte tragen müssen.

Schlanker viereckiger Schaft mit hohem und breitem Sockel, darauf barockes Bildhäuschen mit tiefer Nische, darin hinter einem eisernen Gitter eine tönerne Pietà. Ein Kreuz aus Eisenblech bildet den Abschluß. Sockel mit Inschrift ZU EHREN GOTT UND SEINEN HEILIGEN HAT FRANTZ HARTMAN UND SEINE HAUSFRAU ANA MARIA DISEN BILDSTOK AUFRIGTEN LASEN 1754 in Oval.

An der Holzsteige (Bergstraße, Spielplatz) ++ 1764++ Höhe 2,95 m

Überlieferung

Der schwarze Hund an der Lindenstaffel

Neben der Jagstbrücke stand in früheren Zeiten eine Wirtschaft "Zum weißen Lamm". Als man dieses Haus abriß, fand man eine unverweste Zunge. Seit der Zeit erscheint der schwarze Hund auf der Lindenstaffel nicht mehr. Wieder andere meinten, daß der Hund einen Schatz bewachte. Es gelang einem Neudenauer, den Geist zu erlösen und den Schatz zu heben. Damit ihm aber der Schatz kein Unheil bringen sollte, ließ er am Aufgang zur Lindenstaffel einen Bildstock errichten.

Rundbauchiger Schaft auf hohem und breitem Sockel mit Inschrift DIESER BILTSTOCK IST AUFGERICHT WORDEN VON GEMEINE GUTDER 1791. EBK in spätbarockem Blattkranz.. Reichverziertes Kapitell. Ursprüngliche Bildtafel fehlt und wurde durch eine Kreuzigungsgruppe des Neudenauer Bildhauers Debolt von 1883 ersetzt.

Im Ortsbereich an der Lindenstaffel++ 1791++ Höhe 2,40 m

In streng barocker Linienführung ist der Übergang zwischen Sockel und Schaft vortrefflich gelöst, so daß der Bildstock als einheitliches Ganzes von überragender Formschönheit wirkt. Die Malerei- eine Pieta, die aus der Jetztzeit stammt- ist belanglos. Es ist anzumenhme, daß schon früher an ihrer Stelle ein Bild war. Ob aber das den Bildstock abschließende Blechkreuz schon bei der Errichtung angebracht war, ist fraglich. Eine Sage ist nicht bekannt.

Barocker bauchiger Sockel mit Inschrift IOHAN GEORIG NENINGER GUTDER 1794. AB., darauf ein sich nach oben verjüngender und mit Kapitell abschließender Schaft. Barocke Bildtafel ohne Relief, die schon verschiedentlich bemalt war.

Bei der Gangolfskapelle, westliche Seite der Außenmauer++1794 ++ Höhe 2,80 m

Rechteckiger Schaft auf niedrigem Sockel, darauf barockes Bildhäuschen mit tiefer Nische. In dieser steht eine tönerne Pieta. Der Kopf wird überragt von einem unverhältnismäßig wuchtigen Kreuz (vielleicht eine spätere Zutat) mit der Inschrift GELOBT SEI JESUS CHRISTUS und I.N.R.I. renoviert 1901.

Kirchenstaffel in der Vorstadt (früherer Standort an der "Sülmersteige") ++ undatiert ++ Höhe 2,70 m

Dieser Bildstock  konnte nur von der Straße aus fotografiert werden, da das Gelände sehr unzugänglich ist. Die tönerne Pieta auf der Zeichnung ist nicht mehr enthalten.

Eine Sage ist nicht bekannt

Breiter Sockel mit Inschrift: Zu Ehren der Mutter Gotes hat diese Bildnis erichten lassen die Ehrsam Franziska Ochs von Neudenau 1840. Nur der Sockel ist alt, der ursprüngliche Aufbau fehlt, 1883 ersetzt durch Achtecksäule und Marienstatue des Neudenauer Bildhauers Debolt.

Am unteren Weg zur Ganggolfskapelle (Sportplatz) ++ 1840++ 0,60 m (Sockel)

Eine Sage ist nicht bekannt

Bildstock in der Neudenauer Au entlang der Jagst Richtung Herbolzheim

Neudenau Auweg 16.6.2009

Kreuz an der Allfelder Straße (links)

Kreuz am Waldparkplatz (Allfelder Straße) 1901

Kreuz an der Straße zwischen Neudenau und Stein

Mariengrotte auf dem Kirchplatz der St. Laurentius Kirche

Torbogen der Kreuzkapelle

LITERATUR

Heiner Heimberger: Die Bildstöcke von Neudenau an der Jagst. In: Neudenauer Überlieferungen. Heimatverein Neudenau, Neudenau 1979

 

Bildstöcke haben meist die Form einer Säule oder eines Pfeilers, sind aus Holz oder Mauerwerk gefertigt und gelegentlich überdacht; oft findet sich auch ein Aufbau, der einem Tabernakel ähnelt. Viele Stöcke beinhalten ein Bild oder eine Figur von Christus oder eines Heiligen. Oft werden deshalb Blumen gespendet oder Kerzen abgebrannt.

Eine andere Bezeichnung für Bildstock ist Betsäule, manche davon haben ein „Kniebänkchen“ und so entstanden die Begriffe Fußfall und Fußfallaltar oder Fußfallstation. Auch mit Reliefen versehene Säulen oder auch nur religiöse Statuen werden als Bildstöcke bezeichnet.

Hauptsächlich zu finden sind diese religiösen Kleindenkmäler in Deutschland in Franken, in den katholischen Landesteilen von Baden, Schwaben, den Alpenländern und den katholischen Gebieten des historischen Eichsfeldes sowie der Oberlausitz.

Quellennachweis Texte Wikipedia, Heiner Heimberger aus dem Buch Neudenauer Überlieferungen

Fotos Ilse Simonides

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